Wie bekannt ist, beschäftige ich mich sehr vielen mit Fällen, die auf Filesharing-Abmahnungen beruhen. Da ich immer nur sehe, in welcher Dichte und Häufigkeit die Abmahnungen von den verschiedensten Kollegen auf meinem Schreibtisch landen, war die Statistik, die in der letzten Woche auf der Seite des Vereins gegen den Abmahnwahn veröffentlicht wurde interessant zu lesen. Man sollte sicher auch dieser Statistik eine gesunde Skepsis gegenüber an den Tag legen, aber interessant war es allemal.

Ich möchte diese Studie jetzt und hier nicht auswerten. Wen die kompletten Zahlen interessieren, kann sie sich unter dem oben genannten Link jederzeit ansehen. Aber das lohnt sich in meinen Augen auf alle Fälle. Man kann nachlesen, welche Kanzleien wie viele Werke abmahnen, wie viele Werke überhaupt abgemahnt werden und und und.

Ich möchte hier nur auf die in meinen Augen interessantesten Zahlen eingehen. Nach der Studie gibt es ein krasses Missverhältniss zwischen den erfolgten Abmahnungen und dann tatsächlich stattfindenden Gerichtsverfahren. So kamen auf 576.000 Abmahnungen nur 150 Klagen. Das ist ein kaum mehr messbarer Prozentsatz, nämlich 0,03 %, und wirft einmal mehr die Frage auf, wie berechtigt die geltend gemachten Schadensersatzforderungen und Rechtsanwaltsgebühren sind.

Denn wenn ich davon ausgehe, dass einer meiner Mandanten einen berechtigten Anspruch gegen einen anderen hat, dann gehe ich auch den Klageweg um diesen Anspruch durchzusetzen und höre nicht unterwegs auf. Und auf meine entstandenen Kosten kann und will ich auch nicht verzichten. Zumindest solange nicht, solange unsere Sekretärin regelmäßig ihr Gehalt haben möchte, der Vermieter die Miete und mein Kind etwas zu essen. 😉 Dies bringt mich zu den insgesamt geltend gemachten Schadensersatz- und Anwaltsvergütungsansprüchen.

Die 576.000 Abmahnungen enthielten eine Gesamtsumme von 412.459.335 EUR. Das ist fast eine halbe Milliarde Euro. Das lasse ich jetzt mal unkommentiert so stehen.

Man muss meine Prozentrechnung von oben auch sicher um jene Fälle bereinigen, in denen eine Klage nicht „notwendig“ war, weil die Abgemahnten Nutzer der Internettauschbörsen den Forderungen der Kollegen nachgekommen sind. Auch hierüber, wie viele das sind, gibt die Studie Auskunft.

Trotzdem dürfte die Klagequote für Fälle in denen zwar die modifizierte Unterlassungserklärung abgegeben, aber nicht bezahlt wurde, nicht über weit über 2 % liegen, wenn überhaupt.

Fazit

Also auch hier wieder das Fazit, welches auch meine anderen Artikel beschloss: zahlen Sie auf keinen Fall ohne die Sache nicht vorher mit einem entsprechend spezialisierten Anwalt besprochen zu haben. Auf der anderen Seite sollten Sie diese Zahlen auf keinen Fall zum Anlass nehmen um Filesharing-Aktivitäten wieder zu intensivieren. Es ist und bleibt in den meisten Fällen eine Urheberrechtsverletzung, die Auskunfts- und Schadensersatzansprüche auslösen kann.