SAP ist angekommen, Microsoft trifft gerade ein – und treffen auf Salesforce, Zimbra, RightNow und Proofpoint. Jetzt wo Cloud Computing zum Mainstream avanciert, müssen sich Unternehmer damit auseinandersetzen. Denn Software as a Service (SaaS) erzeugt nicht nur ein völlig neues Verhältnis zwischen Anbieter und Kunde, sondern bringt auch ungewohnte rechtliche Rahmenbedingungen mit sich.

Herzlich willkommen im derzeitigen Hauptthema unserer familiär-beruflichen Diskussionen. Mein Mann betreibt eine kleine Unternehmensberatung, die unter anderem Beratungsleistungen rund um SaaS verkauft. Die stark differierenden Sichtweisen (informationstechnisch / rechtlich) vieler Sachverhalte sind zentraler Bestandteil dieses Artikels.

Ein vollständiges Ausführen aller rechtlicher Probleme würde allerdings nicht nur den Rahmen dieses Artikels sprengen, sondern sich als Thema für ein ganzes Buch oder eine Dissertation eignen. Darum werden wir in loser Folge unterschiedliche rechtliche Aspekte des Cloud Computing beleuchten, weil wir sicher gehen möchten, dass Sie beim Abschluss entsprechender Verträge auch an jene rechtlichen Vorgaben denken, die nicht offensichtlich auf der Hand liegen.

Beispiel: Ein viel beworbener Vorteil sind die oft weltweit verteilten Rechenzentren der großen Anbieter. Allerdings ist es aus datenschutzrechtlicher Sicht von großer Bedeutung, wo Ihre Daten gespeichert sind, sofern es sich (wenn auch nur zum Teil) um personenbezogene Daten nach dem BDSG handelt.

Stichwort Auftragsdatenverarbeitung: Als Kunde eines kleineren Anbieters, und es gibt sehr vieler pfiffiger Lösungen von kleinen Startups, können Sie sicher sein, dass dieser kein eigenes Rechenzentrum unterhält. Daher sollten Sie sich vor Vertragsabschluss Klarheit darüber verschaffen, wo Ihre Daten liegen und welcher Anbieter das sogenannte Hosting übernimmt. Denn Sie haben einen Vertrag mit jemandem, der einen Vertrag mit jemandem hat, dem Sie Ihre Daten anvertrauen.

Außerdem sollten Sie prüfen, ob Sie nicht gegen vertragliche Geheimhaltungspflichten verstoßen, indem Sie Ihre Daten extern durch fremde Anbieter in fremden Ländern speichern lassen.

Wer haftet eigentlich, wenn Ihre Buchhaltungsdaten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen „geschreddert“ werden und wahlweise der Steuerprüfer oder der Jahresabschluss vor der Tür steht? Oder wenn Daten trotz aller Vorsicht des Anbieters in die falschen Hände geraten? Ist der Anbieter hoch genug versichert um einen solchen Schaden aufzufangen? Bekanntlicherweise ist die Produkthaftung bei fehlerhafter Software ein sehr schwieriges Problem; da Sie aber die Dienstleistung kaufen und keine Softwarelizenzen, ist SaaS aus Kundensicht ein wirklicher Fortschritt, weil es wieder jemanden gibt, den man als Kunden in Regress nehmen kann. Es steht nur zu befürchten, dass vielen Anbietern das gar nicht wirklich klar ist.

Was passiert, wenn gerade Ihr Anbieter in die Insolvenz geht? Was geschieht dann mit den Daten in seinem Rechenzentrum?

Wie Sie sehen: Das Thema erscheint endlos. Das heißt natürlich nicht, dass man sich dem Markt sperren muss, er bietet interessante Vorteile (die Regressmöglichkeit haben wir erwähnt) aus Sicht der Kunden. Aber die Folgen müssen eben doch einer rechtlichen Würdigung standhalten. Wenn Sie noch weitere Fragen zu dem Thema haben, sind Sie herzlich eingeladen, sich an uns zu wenden.